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Dienstag, 24. April 2018

Buschwindröschen





Buschwindröschen
der Frühling ertrinkt
in der Wiese





(windflowers / spring drowns / in the meadow)

Petra Klingl



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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BUSCHWINDRÖSCHEN

Du Mädchen - nein, Seele nur
in blassem Mädchengesicht;
Auf blick aus Hauch, und Spur
aus Sternenlicht:

Nähm ich dich, stürbest du. Aber wer,
wer wagte, dein Mörder zu sein?
Stehst du, so zart, nicht hehr
in der Opfer vordersten Reihn?

Du so zart,
Abklang aus Ahnung und Licht,
bist nach der Edlen Art
groß im Verzicht,

groß im Ertragen auch.
All der Sternflug, nachtvoll und schwer,
stürzt auf dich, Auf blick aus Hauch,
fessellos her -

Du aber, welk und beraubt
schon im Nahn einer Hand,
stehst, trägst dem Schicksal ein Haupt
klar zugewandt,

blühst unterm Himmelssturz,
schön, rein, still in des Daseins Haft.
Leidend mit all deiner Kraft.
Denn das Leben ist kurz...
 
Josef Weinheber (1892-1945)




Montag, 23. April 2018

Nacht





Nacht
Windräder morsen
Stille





(night / wind turbines send Morse-codes / silence)

Friedrich Winzer
 
 
 

(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © R. Jebing / pixelio.de




Sonntag, 22. April 2018

plum blossoms




plum blossoms
sorting
mother's recipes




(Pflaumenblüten / Mutters Rezepte / sortieren)

Silvia Kempen





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Blüten

Durch die Blütenzweige
Spielmann Frühling zieht,
hell von seiner Geige
springt ein Reigenlied.

Und ich hab' das Singen
dir ins Herz geküßt:
Drinnen mag es klingen,
wenn es Winter ist.

Bruno Ertler (1889-1927)
Aus der Sammlung Eva - Lilith




Samstag, 21. April 2018

kleine Felsenbucht





kleine Felsenbucht -
mit den Wellen schunkelt
Kiefern-Blütenstaub





(rocky cove - / swaying with the waves / pine pollen)

Gérard Krebs



 
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Foto: © Silvia Kempen




Freitag, 20. April 2018

Kirschblüte





Kirschblüte
aufs Neue glauben
was er verspricht





(cherry blossom / believing again / what he promises)

 Elèonore Nickolay



(Erstveröffentlichung: Haiku heute, Ausgabe April 2016)
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Kirschblüte bei der Nacht

Ich sahe mit betrachtendem Gemüte
Jüngst einen Kirschbaum, welcher blühte,
In kühler Nacht beim Mondenschein;
Ich glaubt', es könne nichts von größrer Weiße sein.
Es schien, ob wär ein Schnee gefallen.
Ein jeder, auch der kleinste Ast
Trug gleichsam eine rechte Last
Von zierlich-weißen runden Ballen.
Es ist kein Schwan so weiß, da nämlich jedes Blatt,
Indem daselbst des Mondes sanftes Licht
Selbst durch die zarten Blätter bricht,
Sogar den Schatten weiß und sonder Schwärze hat.
Unmöglich, dacht ich, kann auf Erden
Was Weißers aufgefunden werden.

Indem ich nun bald hin, bald her
Im Schatten dieses Baumes gehe,
Sah ich von ungefähr
Durch alle Blumen in die Höhe
Und ward noch einen weißern Schein,
Der tausendmal so weiß, der tausendmal so klar,
Fast halb darob erstaunt, gewahr.

Der Blüte Schnee schien schwarz zu sein
Bei diesem weißen Glanz. Es fiel mir ins Gesicht
Von einem hellen Stern ein weißes Licht,
Das mir recht in die Seele strahlte.

Wie sehr ich mich an Gott im Irdischen ergetze,
Dacht ich, hat Er dennoch weit größre Schätze.
Die größte Schönheit dieser Erden
Kann mit der himmlischen doch nicht verglichen werden.

Barthold Heinrich Brockes (1680-1747)
 
 
 
 
 

Donnerstag, 19. April 2018

Veilchen blühen





Veilchen blühen
auf dem Trockenplatz
Düfte falten





(violets are blooming / fold scents / on the drying place)

Ruth Karoline Mieger



(Übersetzung: Silvia Kempen)
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Foto: © Ruth Karoline Mieger




Mittwoch, 18. April 2018

knisternder Kandis





knisternder Kandis
wir lassen unser Gespräch
noch etwas ziehen





(crackling rock sugar / we let our chat steep / a little longer)

Gabriele Hartmann



 
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TEE

Fünf-Uhr-Tee. Eine Dame, ein Herr,
eine Dame, ein Herr - es klappt.
Der Automat der Geselligkeit
ist eingeschnappt.

Jetzt noch ein Weilchen und er schnappt
über! - Man möchte schrei'n.
Wie tragen nur diese Menschen ihr Los:
„Unter sich" zu sein.

Josef Weinheber (1892-1945)
Aus der Sammlung Die Muskete